Forschungsprojekte

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Perspektiven maritimer Kunst

Maritime Kunst im Deutschen Schifffahrtsmuseum steht seit 2016 im Fokus kunsthistorischer Forschungen von Eva-Maria Bongardt

Von seiner Gründung 1971 bis heute hat das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) einen der größten Bildbestände zur maritimen Kunst in Deutschland aufgebaut, bestehend aus etwa 3.000 Gemälden, zahlreichen Grafiken sowie einer Fotosammlung mit etwa 250.000 Bildern. Sammlungsschwerpunkt ist die Kunst mit maritimer Thematik unter besonderer Berücksichtigung der Kunst in Deutschland, und so entstammt die qualitätvolle Kunstsammlung vor allem der Zeit des 19. bis 21. Jahrhunderts. Darüber hinaus besitzt das DSM auch Werke der älteren Kunst aus den Niederlanden und England.

Der wissenschaftlichen Erforschung dieser Bildbestände wurde seit Gründung des DSM eine hohe Priorität beigemessen. So erschienen viele Werke mit biografischen Ansätzen sowie diachrone Überblicke zur Entwicklung der maritimen Kunst vor allem in Deutschland. Diese Arbeiten stellen heute eine wichtige Grundlagenarbeit für die sammlungsbasierte kunsthistorische Erforschung der hauseigenen Kunstsammlung im DSM dar.

Was ist maritime Kunst überhaupt?

Der Begriff „maritime Kunst“ erscheint auf den ersten Blick eindeutig. Besonders in einer Seestadt wie Bremerhaven, wo der Bezug zum Meer und maritimen Themen sehr hoch ist, hat nahezu jeder Besucher eine Vorstellung davon, welche Art von Kunst sich hinter diesem Begriff verbergen könnte. Ein Blick in die aktuelle Forschungslandschaft offenbart jedoch, dass Maritime Kunst bisher kaum in der Kunstgeschichte erforscht worden ist. So existiert bis heute keine verbindliche Definition. Maritime Kunst zeichnet sich durch eine große thematische Varianz auf. Die Kunstwerke können mal der Gattung der Landschaftsmalerei, mal dem Industriebild oder anderen Genres zugehörig betrachtet werden.

Der Begriff „maritime Kunst“ fungiert daher eher als Notbehelf und Oberbegriff. Diese Erkenntnis ist verwunderlich, denn verschiedene erfolgreiche Ausstellungsprojekte der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass Kunst mit maritimer Thematik vom Publium sehr geschätzt wird und großen Zulauf hat. Es sind zunehmend die kultur- und technikhistorischen Museen, wie auch das Deutsche Schifffahrtsmuseum eines ist, die ihre qualitätvollen Kunstbestände der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und die existierende Forschungslücke in diesem Bereich dadurch umso deutlicher sichtbar werden lassen. Die Forschungen von Eva-Maria Bongardt gehen vor allem der Frage nach, wie maritime Kunst als eigene Gattung mit entsprechender Begrifflichkeit fassbar gemacht werden kann und wie diese auszustellen ist.

Heinrich Kley, Linienschiff auf der Germania Werft, 1906, DSM

Unbekannter Künstler, Durchgang durch die Welt, um 1780, DSM

Warum braucht das Deutsche Schifffahrtsmuseum maritime Kunst?

Bei aller Begeisterung für den ästhetischen Wert wird oftmals vergessen, dass maritime Kunst mit ihrem breiten Spektrum an Inhalten und Motiven eng mit gesellschaftlichen und politischen Ereignissen verknüft ist. Eine besondere Aufgabe stellt auch die kritische Betrachtung und Kontextualisierung von Künstlern dar, die unter dem nationalsozialistischen Regime gearbeitet haben, bzw. von Kunstwerken, die im Zeitraum von 1933 bis 1945 in Deutschland entstanden sind. Aus dieser Epoche hat das DSM aufgrund seiner großen Sammlung zur Marinemalerei aus beiden Weltkriegen zahlreiche Werke in seinem Bestand. Um diese Werke öffentlich zugänglich machen zu können, ist es von größter Wichtigkeit, sie eingehend kunsthistorisch zu erforschen und zu kontextualisieren. Nur so können auch umstrittene Kunstwerke einen Platz in der neu konzipierten Ausstellung des DSM finden.

Darüber hinaus bietet Kunst mit maritimer Thematik die Chance, sich einem technik- und kulturhistorischen Thema sowie den vielschichtigen Beziehungen zwischen Mensch und Meer von der künstlerischen Seite zu nähern. Auch bei realistischer Darstellungsweise sollte nie außer Acht gelassen werden, dass Kunstwerke stets das Ergebnis einer ästhetischen Auseinandersetzung des Künstlers mit einem Thema oder einer Begebenheit darstellen. Vor diesem Hintergrund eröffnet die Kunst dem Betrachter einen spannenden veränderten Blickwinkel auf maritime Themen und deren Wahrnehmung. Maritime Kunst ist also mehr als nur ein dekoratives Accessoire an der Wand oder malerisches Technikdokument zur Darstellung von Schiffen. Genau an dieser Stelle setzt die kunsthistorische Forschung ein.

Meilensteine 

Im Oktober 2017 fand ein erster Workshop „Ship Ahoy for Maritime Art“ in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Basel im DSM statt. Kunsthistoriker*innen und Museumsfachleute aus sieben Ländern trafen sich zu einem interdisziplinären Austausch.

Im Oktober 2018 wird das internationale Tagungsprojekt „Meer sehen – Mehr sehen!“, ein Kooperationsprojekt mit dem Historischen Museum Bremerhaven und dem Kunstverein von 1886 e.V., in Bremerhaven stattfinden. Erstmals bündeln drei Bremerhavener Institutionen ihre Fachkompetenzen im Bereich der maritimen Kunst. Das Projekt wird großzügig vom Freundeskreis zur Förderung der Wissenschaft in Bremerhaven e.V. gefördert und soll als Plattform internationale Fachleute zum Thema „Maritime Kunst“ am Standort Bremerhaven zusammenbringen. Zur nachhaltigen Sichtbarmachung ist im Rahmen dieses Tagungsprojektes die Gründung eines Netzwerkes zur maritimen Kunst geplant, welches zukünftig international Anlaufstelle für die fächerübergreifende Forschung zur Kunst mit maritimen Themen sein soll.

Carl Biedermann, Fischer auf Helgoland, um 1830, DSM

Carl Justus Fedeler, Vor der Geestemündung, 1867, DSM

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