Exponate

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Harpunenkanone wurde 1889 zum Walfang eingesetzt

Die neue Ausstellung im Deutschen Schifffahrtsmuseum zeigt eine Harpunenkanone, die während einer Arktis-Expedition zum Walfang genutzt wurde. Damit wurde ein Schritt zum industriellen Walfang getan.

Diese Harpunenkanone, gebaut 1889 von der Firma Bofors in Christiana (Oslo), wurde 1898 vom Deutschen Seefischerei-Verein erworben, um das Schiff ELMA im Rahmen einer Generalüberholung für eine Seereise in das Polarmeer auszurüsten. Ziel der ein Jahr später stattfindenden Reise, ausgehend von der Bremerhavener Wencke-Werft, war die nördlich von Spitzbergen gelegene Bäreninsel. Dabei handelte es sich um die zweite Reise, mit der die deutsche Regierung eine Inbesitznahme der Insel anstrebte. Ansprüche dieser Art waren bis zur Anerkennung der norwegischen Territorialhoheit über die Bäreninsel im Jahre 1920 stark umstritten.
Die Harpunenkanone war Teil des weit gefassten Forschungsauftrages dieser Expedition und der Schlüssel nicht nur zum Walfang in der wilhelminischen Ära, sondern auch zu einer möglichen Etablierung des industriellen Walfangs in Deutschland. In der Zeit vom 4. bis zum 15. Juli 1899 wurden mit der Harpunenkanone der ELMA fünf Buckelwale, ein Finnwal und ein Zwergwal erlegt. Insgesamt wurden auf der Reise 65 Tonnen Walfett produziert, was Grund zur Hoffnung auf eine Ausweitung des industriellen Walfangs im 20. Jahrhundert zu geben schien.
In unserer Ausstellung markiert die Harpunenkanone den Beginn des modernen Walfangs, seine Industrialisierung und damit auch die Überstrapazierung von Walbeständen, die aus der Verwendung von Harpunenkanonen, dampfgetriebenen Walfangschiffen und Rampen auf Fabrikschiffen resultiert. Die entsprechenden technischen Standards waren bereits in den 1870er-Jahren vom norwegischen Walfangkapitän und Erfinder Svend Foyn (1809–1894) gesetzt worden. Sie gestatteten erstmals den Fang zahlreicher unterschiedlicher Walarten – darunter auch sehr viel größere und schwerere als jene, die zuvor mit handgeführten Harpunen oder Harpunengewehren gejagt wurden.

 

Kontakt

0471 482 07 0

coldingsmith@dsm.museum

Als Teil der Ausstellung soll die Harpune zur Diskussion über Walfang anregen

Die Kanone von 1889 ist Teil der umfangreichen Materialsammlung, welche am Deutschen Schifffahrtsmuseum zum Thema Walfang zusammengetragen wurde. Sie reicht von Logbüchern über Fotografien bis hin zu persönlichen Erfahrungsberichten. All diese Schriftstücke und Objekte werfen Schlaglichter auf die ungeheuren Fangmengen sowie auf das breite Spektrum von Handels- und Haushaltswaren, die aus den erlegten Walen hergestellt wurden. Hierzu gehörten u. a. Margarine, Fahrradöl und Gartendünger.
Als Gegenstand von Konservierungsbemühungen stellt uns die Kanone vor verschiedene Herausforderungen – insbesondere, da sie an Bord eines Schiffes genutzt wurde, wo sie laufend Wind und Salzwasser ausgesetzt war, aber auch, weil sie seit dem Jahr 2000 im Freien auf dem Gelände des Bremerhavener Museumshafens ausgestellt worden ist. Die Verlegung der Kanone ins Museumsinnere wird es uns nicht nur ermöglichen, sie für zukünftige Generationen als materielles Zeugnis aus einer frühen Phase des modernen Walfangs zu erhalten. Wir hoffen, durch sie auch Diskussionen über industriellen Walfang, Überfischung, den Umgang mit natürlichen Ressourcen und die emotionale Verbindung anstoßen zu können, die viele Menschen heutzutage zu Walen empfinden – weil sie gerade nicht länger als marine Rohstoffe, sondern als schöne und schützenswerte Lebewesen empfunden werden.

Weiterführende Literatur

Dittmer, Richard
Das Nord-Polarmeer. NachTagebüchern und Aufnahmen während der Reise mit Sr. Maj. Schiff „Olga“
Hannover und Leipzig 1901


Barthelmess, Klaus
The Bear Island Expeditions of the German Sea Fisheries Association as Camouflage for Secret German Government Plans to Occupy the Island, 1897-1900
in: Aspects of Arctic and Sub-arctic History. Proceedings of the International Congress on the History of the Arctic and Sub-Arctic Region, Reykjavík
18-21 June 1998, Reykjavík 2000, S. 441-447


Barthelmess, Klaus
Die denkwürdigste Harpunenkanone der deutschen Walfanggeschichte
in: Deutsche Schifffahrt 31 (2009), Heft 2, S. 2-4


Jacobsen, Alf R.
Svend Foyn – fangstpioner og nasjonsbygger
Oslo 1982

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